Künstlerisches Statement

 

„Tatorte“ entstehen. Mann stelle sich vor, man müsse das Schlafzimmer von Michael Jackson nach seiner eigenen Vorstellung zeichnen. Einige Menschen würden dazu tendieren ein sehr großes Bett mit Stofftieren darauf und das Zimmer allgemein sehr bunt halten und vielleicht mit vielen Spielsachen auf dem Boden darstellen. Das sind Vorstellungen, die man sich unter den „Einfluss“ der Boulevardmedien gebildet hat. Dies sollte nur ein einfaches Beispiel sein, wie sich Menschen, manchmal auch richtig, aber meistens eher falsch, Bilder über einander machen.

Die Dynamik von Vorurteilen und Klischees und wie sie entstehen, ist sehr interessant. Menschen lassen sich, von den Äußerlichkeiten anderer Menschen gerne in irreführen. Das Zimmer von Queen Elisabeth wird auch meistens prunkvoll vorgestellt, doch in Realität lebt sie sehr bescheiden. Ihr Schlafzimmer besteht aus einem kleinen Bett und einem kleinen Schreibtisch mit einer einfachen Schreibtischlampe darauf.

Ein weiterer Interessanter Aspekt dieser Vorgehensweise sind die fiktiven Ergebnisse dieser Arbeiten. Wen man zu einem Artikel ein Bild kreiert entstehen die verschiedensten Fantasien. Manche dieser Arbeiten spiegeln eine realistische und detaillierte Abbildung eines Geschehens wieder. Andere Arbeiten sind komplett realitätsfern. Es ist sehr Interessant zu beobachten, wie unser Gehirn Bilder generiert, die voller Klischees sind und mit Vorurteile behaftet.

Dieses Phänomen kann man auch sehr gut beobachten, wenn Menschen eine Verfilmung eines Buches ansehen, das sie gelesen haben. Meistens ist man sehr enttäuscht darüber weil man sich die Szenen beim Lesen ganz anders vorgestellt hat. Im Film werden die Vorstellungen und Fantasien des Regisseurs dargestellt. In den Vorstellungen werden Objekte und Szenen projiziert, die dem Leser schon vorbekannt sind. Es ist amüsant zu beobachten, wie auch viele Maler aus dem Mittelalter Szenen aus der griechischen Mythologie mit Elementen ihrer Zeit vermischt haben, aus dem einfachen Grund, dass sie viele Details, die wir heute dank der Archäologie besser können, damals nicht kannten. Nach diesen Vorstellungen arbeite ich noch immer. Ein wesentliches Element kommt in meinen „Intereuers“ noch dazu; die vorgegaukelte Idylle eines schönen Innenraum, meistens mit großen Fenstern mit Ausblick, verbirgt doch ein Gefühl, dass in diesem Raum doch etwas passiert ist. Es sind die subtilen Details, die einen Einblick in der Geschichte des Gemäldes geben. Aus diesem Grund habe ich diese Serie „Crime Scenes“ genannt.

Dazu kommt mein großes Interesse an Geschichte die mich inspiriert, ich versuche Situationen und Orte wieder aufleben zu lassen. Insbesondere Geschehnisse die noch nicht ganz geklärt sind wie zum Beispiel, die Ermordung J.F. Kennedys, die oft auch von Verschwörungstheorien überschattet ist, haben mich motiviert diese „Tatorte“ und Szenen bildlich zu erschaffen.

Für die Rekonstruktion dieser Szenen oder auch Räume habe ich nach den archäologisches mit historischem Bildmaterial, aber auch mit Texten, Quellen und Überlieferungen gearbeitet, die in meiner künstlerischen Arbeit teilweise mit romantischem Idyll und stereotypen Vorstellungen ausgeschmückt werden.

Im Zentrum meines Schaffens steht die Malerei. Das, was ich in meinen Bildern zu vermitteln versuche, umfasst sowohl den sichtbaren als auch den unsichtbaren Teil der Welt. Unterschiedliche Motive und Motivteile werden wie Mosaiksteine zu einer neuen Realität zusammengesetzt, die klischeehaftes Denken oder eine kollektive Vorstellung repräsentieren.

Das Themenspektrum ist breitgefächert – von politischen Boulevard-Berichten, wie beispielsweise in „Monicas Besuch“ bis hin zum Interieur bedeutender Persönlichkeiten wie „Martin Luther King“ – und findet in der malerischen Übertragung von selbst zusammengesetzten Collagen auf der Leinwand Ausdruck. Mein persönliches Erleben fließt in der Wahl des Bildmaterials mit ein.

Die meisten Räume, die ich in meinen Bildern konstruiere sind Fiktionen über Wohnorte oder Orte, wo sich meine Persönlichkeiten aufgehalten haben könnten.

Mein Prozess beginnt mit dem Sammeln von Bildern aus Interieurmagazinen, journalistischen Fotografien aus dem Internet und meiner persönlichen Recherche und Analyse zum Leben meiner ProtagonistInnen. Ich schneide und zerlege diese Bilder und montiere Collagen auf Papier als Ausgangspunkt für viel größere Ölbilder. Die kulturell kombinierten Phantasien lasse ich mit kunsthistorischen Bezügen miteinander verschmelzen.

Es ist kein Zufall, dass die ProtagonistInnen in meinen Bildern meist physisch abwesend sind, denn ich versuche die Umgebung darzustellen, in der sie sich möglicherweise zum gegebenen Zeitpunkt befunden haben. Ihre Unsichtbarkeit erhöht das Mysterium und die Kunstfertigkeit der Szene, entfernt jedoch den erkennbarsten Aspekt der Figuration aus Werken, die letztendlich etwas vermitteln, was über die Darstellung oder die Sprache hinausgeht.

Die Bilder enthalten nicht nur Hinweise auf historische Ereignisse oder Persönlichkeiten, sondern auch auf die Kunstgeschichte selbst, die künstlerischen Bildstile und einzelne Künstler. Je nach Fakten werden diese Elemente zu einer neuen Fiktion zusammenbaut und auf die zweidimensionale Ebene der Leinwand durch Malerei gebracht.

„Die Aufgabe des Künstlers bestand seit jeher darin, aus einer veränderlichen, chaotischen Welterfahrung Elemente zu isolieren und diese zusammenzustellen. Indem die Künstler Ordnung, Kohärenz, Stabilität aud dem Fluß des Lebens schafft, stiftet er eine Ikone- Ephiphanie: Es ist die Aufgabe des Malers, einen Augenblick der Erleuchtung zu formalisieren und festzuhalten.“

In meinen Arbeiten, versuche ich auch die Frage zu stellen, wie Geschichte konstruiert und interpretiert wird, indem ich versuche Gemälde herzustellen, die sowohl intellektuell möglichst herausfordernd als auch visuell verführerisch sind.

Nicht nur Bilder, sondern auch die Gegenüberstellung aus Zitaten und Referenzen eines breiten und vielseitigen Themas spiegeln sich in einer Umsetzung des „Cut-and-Paste“ auf der Leinwand wider. Zusammenhänge zwischen Kunstgeschichte, Politik, Musik, Literatur etc., meiner persönlicher Erfahrung und dessen Motive, versuche ich zu verbinden und zu einer neuen Realität zusammenzufügen.

 

Für mich ist die Technik der Collage auch ein Mittel um die verschiedensten Eindrücke und Erfahrungen meines Lebens zu ordnen. Meine Zerrissenheit zwischen den zwei Kulturen, in denen ich aufgewachsen bin zu einem Ganzen verschmelzen zu lassen. Nicht nur meine persönlichen Erfahrungen, sondern auch die Umwelt, die mich heute umgibt mit all ihren Facetten und Gegensätzen auf eine zweidimensionale Ebene, wie die der Collage oder der Leinwand in ihre Ordnung bringen.

Außerdem ist es mir in meiner künstlerischen Arbeitet wichtig, einen breiten Assoziationspielraum zuzulassen, um dem Betrachter keine klaren Geschichten oder Erklärungen anzubieten.

Von zentralem Interesse für mich das Spiel mit einer Ambivalenz und das Erzeugen von Irritationen, die die verschiedenen Bildmotive mit sich bringen und die nicht immer zu einfach nachvollziehbar sind. Als Künstler sehe meine Aufgabe nicht darin Probleme oder Inhalte zu lösen, sondern sie lediglich darzustellen und einem breiten Publikum anzubieten.

In meiner Praxis wird das Medium Malerei nicht nur im Hinblick auf seine Geschichte und sein Erbe untersucht und gefeiert sondern ich versuche auch die anhaltende Berechtigung der Malerei zu demonstrieren; und um zu vermitteln, wie wir die Welt erleben, in der wir leben. Ich möchte meine Bachelorarbeit mit einem Zitat von Ludwig Wittgenstein schließen: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man malen“.[5]

 

[5] Thommes Armin, Philosophie der Malerei. Von Platon bis zu Jean-Francois Lyotard. (S. 93)